Zitate aus Büchern, Filmen, von bekannten und weniger bekannten Menschen, Zeilen aus Liedern oder einfach Dinge, die irgendwo auf- gelesen habe.
Copyright liegt in jedem Fall beim Verfasser







Manchmal überlegen wir uns in der Clique, warum fast alle unsere Eltern geschieden sind. Und immer wohnen die Väter in den trostlosesten Gegenden Finnlands. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie sich nicht wirklich auseinander gelebt haben. Das ist nur die offizielle und anerkannte Erklärung. Unsere Theorie lautet: Sie hätten sich von Anfang an nicht zusammentun dürfen. Mond ist Mond und Sonne ist Sonne. Der Mond schimmert, die Sonne scheint.
(Kari Hotakainen - Näytän hyvältä ilman paitaa ("Ohne Hemd", a.d. Finnischen von Stefan Moser)

Jugendliche müssen vernünftig sein, weil es ihre Eltern nicht sind.
(Kari Hotakainen - Näytän hyvältä ilman paitaa ("Ohne Hemd", a.d. Finnischen von Stefan Moster)




Zitiert aus: Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt. Carlsen Verlag '98/04:

Sie kennt keine Vorurteile. Als hätte ihr bei ihrer Geburt eine Fee ins Ohr geflüstert, dass die Welt ein Ort ohne Geheimnisse sei, lässt sie alles gelten - man kann Kat in Erstaunen versetzen, aber man kann sie nicht wirklich überraschen.
(S. 45/46)

Dort schrieb Glass in uns: Seid stark und wehrt euch. Wer euch verletzt, dem tut doppelt weh oder geht aus dem Weg, aber lasst euch niemals vorschreiben, wie ihr zu leben habt. Ich liebe euch, wie ihr seid.
(S. 56)

Wo immer ich saß oder stand, wurde ich nicht müde, die silbrig weiße Wolke zu betrachten, die aufstieg, wenn ich die Kugel schüttelte. Sobald da Schimmernde Gestöber sich lichtete, wurde dahinter ein dunkles Haus sichtbar, aus dessen winzigen Fenstern und Türen orangerote Flammen schlugen. Und wie ich es auch anstellte: immer blieben einige der Flocken beim Herabsinken auf den leckenden Feuerzungen liegen. Es war dieser Widerspruch, der mich faszinierte. Wie sollte etwas brennen, obwohl Schnee darauf fiel? Was waren das für Flammen, die weder durch Kälte noch durch Eis gelöscht wurden?
(S.90)

Das habe ich nie vergessen: dass man liebt, um die Kälte zu vergessen und den Winter zu vertreiben.
(S.96)

Der Neid auf die federnde Leichtigkeit, mit der Nicholas auf andere Menschen zugeht, sie um sich schart und an sich zu binden weiß, befällt mich in kürzester Zeit wie Rostfraß. Die Liebe braucht länger. Sie kommt langsam, wie eine schleichende Krankheit, und sie krallt sich um mein Herz wie der Efeu, unter dem Visible im Sommer beinahe erstickt.
(S.116/117)

Manche Fluchten waren einfach. Es gelang mir, für Tage, manchmal für Wochen, die Realität völlig auszublenden. Die Abenteuer, in die ich von den entliehenen Büchern entführt wurde, mochten so bunt und so verschieden voneinander sein, wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, doch sie hatten immer denselben Effekt: Sie umgaben mich wie ein schützender Mantel und verbargen mich so vor den Kleinen Leuten, von der Welt da draußen. Deshalb liebte ich die Bibliothek. Für mich war sie die Mitte der Welt.
(S.133)

Manche Veränderungen kommen über Nacht. Du gehst abends zu Bett, schläfst ruhig und tief, und am folgenden Morgen erwachst du und stellst fest, dass alles anders ist als zuvor. Du kannst dir nicht erklären, was gesehen ist, denn die Sonne ist aufgegangen wie an jedem Morgen, und da hängt immer noch dieses Bild an der Wand, das du längst abhängen wolltest. Die Farben der Welt sind dieselben geblieben. Nur bei genauerem Hinsehen glaubst du zu entdecken, dass sie eine Spur heller oder dunkler als bisher erscheinen, doch das ist eine Täuschung: es ist deine Wahrnehmung, die sich verändert hat, weil du selbst von heute auf morgen ein anderer geworden bist. Und deshalb hängst du jetzt auch dieses verdammte Bild ab.
Andere Veränderungen kündigen sich an. Du spürst sie auf dich zukommen, langsam und unabwendbar wie den Wechsel der Jahreszeiten. Kleine und große Ereignisse gehen solchen Veränderungen voraus, die in keinerlei Zusammenhang zu stehen scheinen. Doch irgendetwas im hintersten Winkel deiner Psyche setzt diese Ereignisse und ihre Folgen geduldig zusammen wie ein Puzzlespiel, und im selben Maße, wie das Puzzlebild Gestalt annimmt, vollzieht sich auch in deinem Inneren ein Wandel, Stück für Stück, Schritt für Schritt: eine Art unbemerkter, zweiter Geburt.
(S.160)

In diesem Jahr hatte ich beunruhigende Träume, and die ich mich nach dem Erwachen mit kristallklarer Deutlichkeit erinnerte, wohl deshalb, weil so viele Grenzen sich zu verschieben begannen, weil ich die Wirklichkeit so oft als Traum erlebte und meine Träume als Wirklichkeit.
(S.166)

"[...] Außergewöhnlichkeit hat nichts mit Begabung zu tun."
Nein, denke ich, sie hat etwas mit Wunden zu tun. Nur zwei Sorten von Menschen gehen auf Kompromisse ein: diejenigen die über einen von Natur aus festen, meist mit mangelnder Einsicht in Unabänderlichkeiten gepaarten Willen verfügen. Und diejenigen, die so heftig verletzt wurden, dass sie ihr Herz in einen Panzer kleiden.
(S.171)

Male dir neunundneunzig Variationen aus, und du stolperst in Szenario Nummer hundert.
(S.173)

Ich fühlte mich wie ein Gefäß, nur wusste ich nicht, ob dieses Gefäß geleert oder gefüllt worden war.
(S. 191)

"Ich weiß nicht, warum mein Herz sich ausgerechnet an ihn hängt, sich für sein Schweigen und seine irritierende Zurückhaltung entschieden hat"
(S. 299)

Es ist, als würde alle Farbe aus den rundum aufgehängten Bildern und Postern von den Wänden herabfließen, sich zu einem Strom vereinigen und ihm folgen. Zurück bleibt Schwarz und Weiß.
(S. 332-333)

"Ich hatte ihr Gesicht nach verräterischen Zeichen abgesucht, nach dem kleinsten Hinweis darauf, dass sie nicht damit einverstanden war, eine Tunte zum Sohn zu haben, und dies unnachgiebig zu korrigieren versuchen würde, zur Not operativ, wie den Sitz meiner Löffelchen. Falls dieser Hinweis der flüchtige Schatten auf ihrem Gesicht gewesen war, so war er jetzt vergessen. Offensichtlich war das Dasein als Tunte weitaus weniger verwerflich, als abstehende Ohren zu haben."
(S.347)

"Stell die das Leben vor wie ein großes Haus mit vielen Zimmern, Phil. Einige dieser Zimmer sind leer, andere voller Gerümpel. Manche sind groß und voller Licht, und wieder andere sind dunkel, sie verbergen Schrecken und Kummer. Und ab und zu - nur ab und zu, hörst du? - öffnet sich die Tür zu einer dieser schrecklichen Zimmer und du musst hineinsehen, ob du willst oder nicht. Dann bekommst du große Angst, so wie jetzt. Weißt du, was du dann tust?"
Ich schüttelte den Kopf.
"Dann denkst du daran, dass es dein Leben ist - dein Haus, mit deinen Zimmern. Du hast die Schlüssel, Phil. Also schließt du die Tür zu diesem schrecklichen Zimmer einfach zu."
"Und dann werfe ich den Schlüssel weg!"
"Nein, das darfst du nicht tun, niemals", erwiderte Tereza ernst. "Denn eines Tages spürst du vielleicht, dass nur durch dieses schreckliche Zimmer der Weg in einen größeren,, schöneren Teil des Hauses führt. Und dann brauchst du den Schlüssel. Du kannst deine Angst für eine Weile aussperren, aber irgendwann musst du dich ihr stellen."
(S. 377-378)

"Ich sitze lange auf dem Thron, meinem Thron der Geschichten, der nicht mehr ist als ein alter, mit zerschlissenem roten Stoff bezogener Sessel, und ich betrachte Regale und Wände und die Rücken von Büchern, in einem Raum, der mir nichts mehr zu erzählen hat."
(S. 384)

"Aber selbst Glass, und vielleicht sogar Händel, hätten zugegeben, dass jeder Mensch in seinem Leben Wegkreuzungen erreicht, die in verschiedene Richtungen weisen und an denen er sich entscheiden muss, welche davon er einschlagen will. Wer in seinem Leben keinen Sinn entdeckt, kann immernoch versuchen, ihm wenigstens ein Ziel zu geben. Wenn er Glück hat, läuft beides irgendwann auf das Gleiche hinaus."
(S. 388)

 


In mein Zimmer und die schützende Höhle meines Bettes zurückgezogen, baue ich meterhohe Gedankentürme aus immer den gleichen Bausteinen, reiße sie Stück um Stück wieder ein oder sehe dabei zu, wie sie von selbst in sich zusammenstürzen.
(S. 393)

"Wenn ich seinen Namen flüstere, spüre ich Scherben im Mund. Wenn ich sein Bild vor mich befehle, legt sich Eis auf meine Gedanken. Wenn ich mir vorstelle, ihn zu streicheln, öffnen Skalpelle mir Finger und Hände."
(S. 415)

Dem Lachen folgen Tränen, den Tränen folgt Ernüchterung.. Nichts scheint sich verändert zu haben, und doch ist alles anders als zuvor. Meine Knie sind weich. Nichts ist einfach.
(S. 448)

Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine eigene Art heilt sie auch diese Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren, Uch werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde andern Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer.
So sind die Regeln, Paleiko.
(S. 456-457)




Zitiert aus: Andreas Steinhöfel: DEFENDER - Geschichten aus der Mitte der Welt. Carlsen Verlag 2001

Es gelang ihr nicht, die Zusammenhänge wollten sich nicht einstellen, jeder Satz löste sich in Worte, jedes Wort in einzelne Buchstaben auf, die hinter dem roten Schleier vor ihren Augen verschwammen.
(Winterlandschaft. S. 45)

Der Blödmann musste einfach für alles eine Erklärung finden, um nachts ruhig schlafen zu können, und ich versuchte ihn umsonst davon zu überzeugen dass es für die Liebe nun mal keine Erklärung gibt. Wenn sie zuschlägt, schlägt sie zu. Die Gefühle übernehmen die Zügel und lassen den Verstand meilenweit hinter sich. Jeglicher widerstand ist zwecklos und macht die Sache noch schlimmer. […]
Man sollte annehmen, es wäre die Zeit gewesen über die es am meisten zu berichten gibt. Aber Glück und Unglück haben ihre eigenen Gesetze, sie erschaffen ihre eigene Zeit. Glück dauert kaum länger, als jemand braucht, dir in die Suppe zu spucken. Das Unglück misst sich an der Zeit, die du benötigst, um diese Suppe mit dem Sieb wieder auszulöffeln.
(Daniel zu lieben. S. 65)

In diesem Universum war Daniel die Sonne, das ruhende Zentrum, und ich war der rastlose Trabant der ihn umkreiste. Oder der Ikarus, der ihm entgegen flog, sich die goldenen Flügel verbrannte und abstürzte. O ja, natürlich stürzte ich ab. Und wenn ich nicht daran gestorben bin, so tat es doch höllisch weh. Es tut immer weh, nicht nur beim ersten mal.
(Daniel zu lieben. S. 66)

Also manchmal denkst du: Dieses oder jenes lang zurückliegende Ereignis ist eines der Millionen Teile, aus denen ich mich zusammen setz. An manche Erlebnisse kann man sich gut erinnern, an andere womöglich gar nicht, jedenfalls nicht bewusst. Aber sie stecken trotzdem in dir drin.
Anfangs bist du also ganz leer. Ich glaube, du kommst auf die Welt und bist sozusagen ein weißes Blatt. Die Welt kann mit dir machen, was sie will."
(Interview. S. 120)

Oder nennen wir es, in etwas längerer Ausführung, die Erweiterung meines Horizonts; die Erkenntnis, dass die Welt groß ist und nicht nur für dich und deine eigenen kleinen Belange erschaffen wurde; das Wissen darum, dass es da draußen Dinge gibt, sichtbare und unsichtbare - oh, hauptsächlich unsichtbare - die zu bewahren und um die zu kämpfen es sich lohnt. Sollte das dem einem oder anderen zu prosaisch vorkommen, dann bitte. Jeder soll sein Ding durchziehen, ich hänge mich da nicht rein.
Aber es ist ein alles entscheidender Unterschied, ob man das Gefühl hat, sein Ding allein durchzuziehen, oder ob man über das Wissen verfügt, dass andere Menschen vor die schon dasselbe gemacht haben,, so wie du, und dass sie sich den Arsch aufgerissen haben um dir, manchmal über einen Abgrund von Jahrhunderten hinweg, zu zurufen, dass du weder vor der Dunkelheit noch vor der Kälte Angst haben musst, wenn du nur die Hand ergreifst, die sie dir entgegen strecken.
(Defender. S. 187)

Ich versuchte, an nichts zu denken. Manche Dinge geschehen, obwohl du sich im Kopf mehr als hundertmal durchgespielt hast, so schnell, dass du erst zum Nachdenken kommst, wenn alles längst vorbei ist.
(Defender. S. 193)

Ob ich mich als Held meiner eigenen Lebensgeschichte herausstelle oder ob jemand anderem diese Rolle zukommt, werden die folgenden Seiten zeigen müssen... [...]
Weil ich plötzlich verstehe, dass jede und jeder von uns ein Held sein kann, doch dass zu Helden der eigenen Geschichte dich, im Guten wie im Schlechten, immer die anderen machen.
(Defender. S. 196)




Zitiert aus: Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula. Wilhelm Goldmann Verlag 2002

"Ich werde hier sterben. Festgefroren an eine tibetanische Gebetsplatte werde ich niemals die Nacht überstehen können." (S.9)

"Außerdem war alles auf Tornedalfinnisch geschrieben.
Allein das Vorlesen in der verräucherten Küche dauerten mehrere Stunden. Man war gezwungen, jedes Wort in Schwedische, Reichsfinnische, Englische, Deutsche und Persische zu übersetzen, da die Tochter in Växjö mit einem eingewanderten Sunnimoslem verheiratet war. Die religiösen Abschnitte bereiteten dabei besonders große Schwierigkeiten. Eine Grundbedingung, um überhaupt etwas zu erben, war also, dass man sich zum wahren Glauben bekannte, was die meisten Tornedalbewohner als Laestadianismus interpretierten. Gegen diese Überzeugung protestierten sowohl der Sunnimoslem, die angeheirateten Neuseeländer, die Juden wie auch die Tochter aus Frankfurt, die zum Baptismus konvertiert war, die alle nacheinander erklärten, dass ihr Glaube genauso wahr sei wie der irgendeiner anderen Person in der Runde. [...]
Schließlich erhob Isak sich und brüllte etwas von Mäulern, die gefälligst gehalten werden sollten, und das auf Schwedisch und Finnisch." (S. 83)

"Dann ging es los.
Aus Rücksicht auf die Angehörigen breche ich hier ab. Ich will es vermeiden, die Kinnhaken, Kopfnüsse, das Nasenblut, die umherwirbelnden Gebisse zu beschreiben, die Brillen, die zerbrachen, oder die hinterhältigen Tritte und Würgegriffe. Ich weigere mich, all die Waffen wie Bratpfanne, Küchenstuhl, Gummistiefel, Müllschaufel, Hundefressnapf und finnische Familienbibel aufzuzählen. Ich überspringe all die lästerlichen Ausrufe, alle Flüche aus dem unerschöpflichen Tornedalfinnischen wie auch alle herabsetzenden Anklagen hinsichtlich Dummheit, Hässlichkeit, Fettleibigkeit, Inzucht, Senilität, Geisteskrankheit oder abweichender Sexualität, die in aufgebrachten Tonlagen ausgetauscht wurden.
Ich sage nur: Es war die Hölle." (S. 86-87)

"Auf dem Plattenspieler war die 45-Umdrehungen-Funktion kaputt, er spielte nur auf 33 oder 78. Die Scheibe klang entweder wie Beerdigungsposaunen in Tibet oder wie Donald Duck im Zirkus. Wir entschieden uns für letzteres." (S. 102)

"Ich verstand aber die Worte noch nicht, sondern buchstabierte phonetisch, lernte alles auswendig und sang dann Niila in der Garage Songs wie Ohlju niedis lav und Äweiter schäd ofpehl vor." (S.108)

"Mie uskon että poika on päissä. Ich glaube, der Junge ist besoffen." (S.142)

" Verdammt, ich erfand einfach selbst was. Ohne das wir es wussten, hatten wir mehrere Jahre zu früh den Punk erfunden." (S. 252)

"Etwas peinlich war, dass viele den zweiten Song am besten fanden. Einige waren dagegen der Meinung, der dritte sei der beste gewesen oder vielleicht auch der erste. Dagegen schien niemand den vierten Song vorzuziehen, bei dem wir richtig gespielt hatten. Wir hatten nicht den Mut, ihnen zu sagen, dass es alle vier Male das gleiche Stück gewesen war, nur in unterschiedlichen Stadien der Panik." (S. 255)

"Anfangs diskutierte ich of mit Niila, ob unsere Rockmusik als knapsu angesehen werden konnte. Das Wort ist tornedalfinnisch und bedeutet weibisch, also etwas, was nur die Frauen so machen. [...] Rockmusik wird nun erwiesenermaßen oft von Männern gespielt. Die Ausstrahlung ist aggressiv männlich. Ein Außenstehender würde deshalb sofort sagen, dass Rockmusik nicht knapsu ist. Dagegen spricht aber, dass dieses Klimpern kaum als richtige Arbeit bezeichnet werden kann. [...] Dann waren wir also doch knapsu. Denn aufhören zu spielen, nein, das konnten wir nicht." (S. 258 / 260-261)

"Einer der jüngeren Jäger bekam Lust auf eine Diskussion und fing an, ihm zu widersprechen, aber seine Einwände waren genauso undeutbar. Bald waren die beiden in eine hitzige Diskussion verwickelt, wobei keiner von beiden verstand was der andere sagte." (S. 289)




Zitiert aus: Marjaleena Lembcke: Finnische Tangos. Verlag Nagel&Kimche AG 1998

"Hinter der Fensterscheibe rasten die Tannenwälder auf uns zu. In ihnen wohnen die Riesen und Zwerge. Gute und böse Feen. Zwischen den dunklen Bäumen hält sich die Kinderangst verborgen. Die Birken vertreiben die Furcht, und die Wiesen verlocken mit Blumen. Die Weite des Landes täuscht Freiheit vor. Wer gehen will, geht bis zum Meer. Lange steht er am Ufer, sieht hinaus zu den unsichtbaren anderen Ufern. Wenn kein Boot auf den Sehnsüchtigen wartet, geht er wieder ins Innere des Landes. Er kehrt zurück zu den Tannen, den Birken und den Seen. Zu seinem Haus. Wenn das rot gestrichene Haus in der Sonne freundlich leuchtet, vergisst er manchmal das Meer und seine Sehnsucht." (S. 12-13)

"Selja mag keine Puzzlespiele. Sie will nicht ein Bild zerstören, um es wieder aufbauen zu können." (S. 35/36)

"...auf keinen Fall will ich von Mauern, wie rosenberankt und schön auch immer, umgeben sein, die mich davor schützen, Dinge wahrzunehmen, die ich nicht wahrhaben will. Verstehst du, was ich meine?" (S.71)

"Jemand war unglücklich. War es Selja? Oder warst du es?
Vielleicht waren wir es beide. Früher oder später muss man sich von der Kindheit trennen, sage ich. Von der Kindheit schon, aber nicht von der Freundin!" (S.95)

"Ich misstraute den Intellektuellen, und ich misstraute mir. Meine Liebe gehörte denn erfolglosen Träumern, und denen, die nicht einmal zu träumen gelernt hatten Und es waren die nichtgeträumten Träume und die ungesagten Worte, die mich verfolgten." (S. 130)

"Ich bin auch nervös, wenn ich andere besuche. Wenn ich mir selbst fremd werde. Wenn das Herz sich anfühlt wie eine tickende Bombe. Manchmal wünsche ich mir, es würde explodieren, sich selbst vernichten und alles in seiner Nähe in so winzige Teile zersplittern, dass niemand mehr den Versuch machen würde, sie zusammenzusetzen. Aber meistens versuche ich, die Bombe zu entschärfen." (S. 131)

"Mit einer Hand strich er über die grauen Steine, mit der anderen ergriff er Seljas Hand und sagte: Depressive sollten keine Friedhöfe besuchen. Aber sie tun es. Man sollte alle Depressiven in den Wald schicken. Zum Bäumefällen und Singen. Dann hätten die psychiatrischen Kliniken weniger Patienten.
Und in den Wäldern stünden weniger Bäume, sagte Selja." (S. 153)

"Sie ist wie ein weißes Papier, dem ich meine Gedanken anvertrauen und sie wieder ausradieren kann. Sie erwartet nicht, dass ich bei meinen Meinungen bleibe, meine Versprechen halte. Sie erwartet nur, dass ich immer wieder zu ihr zurückkehre. Damit sie nicht allein ist." (S. 178)

"Du bist gekommen, weil du glaubtest, du könntest das Boot meiner Träume steuern? Aber das Boot ist längst untergegangen, und ich erwarte nicht von dir, dass du mir ein neues schenkst. Und du brauchst nicht ins Wasser zu springen, um das alte zu bergen, sagte sie und lächelte.
Du bist ja in kein Boot eingestiegen, sagte ich.
Nein, sagte sie. Vor Träumen hatte ich immer Angst." (S. 182)

"Es war das Gedicht Das Land, das nicht ist von Edith Södergran. 'Ich sehne mich nach dem Land, das nicht ist, / denn alles, was ist, bin ich zu begehren müde. / Der Mond erzählt mir in silbernen Liedern / vom Land, das nicht ist, / vom Land, wo all unser Wünschen wunderbar er- / füllt wird, / vom Land, wo alle unsere Ketten fallen, / vom Land, wo wir unsere blutige Stirn kühlen / im Tau des Mondes. / Mein Leben war ein heißer Wahn. / Doch etwas habe ich gefunden und etwas wirklich gewonnen - / den Weg zum Land, das nicht ist.' " (S. 184-185)





"Es tut nicht gut, wenn du nur deinen Träumen nachhängst und vergisst, zu leben" (Dumbledore in HPI)